﻿{"id":881,"date":"2023-12-23T16:20:32","date_gmt":"2023-12-23T15:20:32","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.freunde-der-kst.de\/?p=881"},"modified":"2024-10-17T20:41:03","modified_gmt":"2024-10-17T18:41:03","slug":"kanu-wandern-lagerfeuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.freunde-der-kst.de\/index.php\/2023\/12\/23\/kanu-wandern-lagerfeuer\/","title":{"rendered":"Kanu.Wandern.Lagerfeuer. im September 2023"},"content":{"rendered":"\n<p><br>Outdoor-Wochenende in Th\u00fcringen im September 2023<\/p>\n\n\n\n<p>Freitag Nachmittag, Rucksack gepackt, Blumen gegossen, ich sitze im Auto und tippe das Ziel ein: Lauterbach\u2026 Route wird berechnet\u2026 Waaas? Sechshundertsiebzig Kilometer ab Magdeburg?? Verschrieben, verlesen, falscher browser??? Puh, Gl\u00fcck gehabt: es gibt f\u00fcnf Lauterbachs, meins ist das in Th\u00fcringen, schlappe zwei Stunden Fahrt, vergn\u00fcgt starte ich den Motor. Fensterscheiben runter, LieblingsCD rein: yeah! Urwald-Life-Camp &#8211; ich komme!<\/p>\n\n\n\n<p>Quer durch&#8217;s sch\u00f6ne Th\u00fcringen, kurvige Landstra\u00dfe, geruhsames Auf und Ab. Links und rechts Wald und Wiesen, ein bisschen Acker, Windr\u00e4der, pl\u00f6tzlich drei unerwartet steile Serpentinen, noch einen Gang runterschalten, und voil\u00e0 &#8211; p\u00fcnktlich zum Abendbrot biege ich auf den Parkplatz der Jugendherberge. Mitten im Nirgendwo, vierhundert Meter \u00fcber NormalNull. Vom Urwald hatte ich bis jetzt ein anderes Bild, aber das hier ist auch sch\u00f6n. Wundersch\u00f6n. Ich f\u00fchle mich sofort wohl. Alle T\u00f6ne von Gr\u00fcn, erste gelb-rote Spitzen, blauer weiter Himmel, warme Abendsonne. Ich bin im Nationalpark Hainich, der gr\u00f6\u00dften zusammenh\u00e4ngenden Laubwaldfl\u00e4che Deutschlands, ein Teil davon ist Weltnaturerbe. Wildkatzen und Mittel(!)spechte leben hier, 2015 wurde ein Luchs gesichtet, Kraniche nutzen den Hainich als Landmarke und ruhen sich aus an seinen R\u00e4ndern im Herbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ganz bedr\u00f6ppelt von so viel Natur nehme ich den Zimmerschl\u00fcssel vom freundlichen Rezeptionisten entgegen und laufe dreimal an meiner T\u00fcr vorbei &#8211; die Wandtexte zur Geschichte der Jugendherberge sind einfach zu interessant, dieser PRO7-Name w\u00e4re gar nicht n\u00f6tig gewesen. Dann fix das Bett bezogen, wer wei\u00df, ob sp\u00e4ter dazu noch Gelegenheit ist, und schon tauche ich ein in die KST-Gemeinschaft, my stamily-family. Wir begr\u00fc\u00dfen einander herzlich und freuen uns auf eine gute gemeinsame Zeit. Abendessen drau\u00dfen auf Bierzeltgarnituren, ein Bier zwei Bier, auch alkoholfrei, dann Witzeerz\u00e4hlen, Spiele, SYSTEMspiele &#8211; ich verstehe nichts. Ich mache einfach mit, lache Tr\u00e4nen und f\u00fchle mich pr\u00e4chtig, genau richtig. Die Party auf Zimmer 10 vertagen wir ganz vern\u00fcnftig auf morgen (Lagerfeuer!), die Hausordnung ist da eindeutig: &#8220;Ruhe ab zehn!&#8221;. Die Musikrolle wird vorausschauend in die Powerbank gest\u00f6pselt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut geschlafen, beim Fr\u00fchst\u00fcck trotzdem drei Kaffee, er schmeckt so gut. Gespr\u00e4che \u00fcber Otto Waalkes, die EU und \u00fcber uns, keiner meckert \u00fcber die Deutsche Bahn und das Wetter ist herrlich. Tisch abwischen, wir treffen uns am Bolzplatz. Spiele zum Wachwerden, zum Aaahhhtmen, zum Dehnen, zum Team-en: wir sitzen im Kreis auf dem Hintern auf dem Schotterboden, mit dem R\u00fccken zueinander, haken uns unter und sollen auf Kommando aufstehen. Wir tun unser Bestes, \u00e4chzen und stemmen, doch nichts passiert, wir kleben am Boden, jedeR geht insgeheim seine Ess-S\u00fcnden durch. Ich schummle ein bisschen und nehme eine Hand zu Hilfe, der Spielleiter sieht gn\u00e4dig dar\u00fcber hinweg &#8211; wir stehen sch\u00f6ner als jede Fu\u00dfball-Elf! N\u00e4chstes Spiel: Elefant und Antilopen, wie Fangen, nur modern. Viele Regeln &#8211; alles klar? Wir nicken nachdenklich. Eine Hand geht hoch: In perfektem Weich&amp;Gebunden, slowenisch gef\u00e4rbt: &#8220;Ich habe das alles nicht verstanden und \u00fcberhaupt: gibt es auch Elefantinnen?&#8221; Der Blick des Spielleiters geht in die Ferne und l\u00e4chelnd beginnt er von vorn. Zum Gl\u00fcck f\u00fcr uns alle.<img loading=\"lazy\" width=\"1600\" height=\"1200\" class=\"wp-image-885\" style=\"width: 1000px;\" src=\"http:\/\/wordpress.freunde-der-kst.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/K1600_Freizeitwochenende-Hainich-2023_09.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.freunde-der-kst.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/K1600_Freizeitwochenende-Hainich-2023_09.jpg 1600w, https:\/\/www.freunde-der-kst.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/K1600_Freizeitwochenende-Hainich-2023_09-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.freunde-der-kst.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/K1600_Freizeitwochenende-Hainich-2023_09-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.freunde-der-kst.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/K1600_Freizeitwochenende-Hainich-2023_09-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.freunde-der-kst.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/K1600_Freizeitwochenende-Hainich-2023_09-1536x1152.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden abgeholt vom ortskundigen Fuhrunternehmen. Auf dem kurzen Weg nach Creuzburg, dem Ausgangspunkt unserer Bootstour auf der Werra, erfahren wir Interna \u00fcber die DDR-Wartburg-Produktion im nahen Eisenach. So authentisch erz\u00e4hlt, dass ich sofort wieder Kind bin. Ich sitze auf dem R\u00fccksitz unseres fabrikneuen Familien-Wartburg 353 S Limousine, samtocker, abnehmbarer Nebelscheinwerfer, lang erwartet und bar bezahlt (der Geldschein-Stapel in der Wohnzimmerschrankwand war exakt elf Zentimeter hoch, nachgemessen mit meinem Schullineal), und ich sitze nat\u00fcrlich nicht direkt auf der R\u00fcckbank dieses Autowunders, sondern nur auf der Plastikschutzfolie, und ich puhle ein Loch hinein (was mir gro\u00dfen \u00c4rger einbringt).<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck ins Hier und Jetzt, wir sind beim Bootsvermieter angekommen und stehen vorm Schlauchboot: wie tariert man das aus mit elf BesatzungsmitgliederInnen? Wir schaffen das, sogar ohne K\u00e4pt&#8217;n: f\u00fcnf auf der linken Bordwand, f\u00fcnf auf der rechten, der Steuermann sitzt hinten. Es ist eng, aber gem\u00fctlich, die sechs Stechpaddel kreisen alternierend in bestem Einvernehmen. Die Sonne brennt, das Lunchpaket schmeckt, die Werra ist ein freundlicher, ruhiger, ziemlich brauner Fluss. Immer wieder zeigt sich ein Eisvogel (wahrscheinlich derselbe), ein paar desinteressierte Enten, pr\u00e4chtige Wildg\u00e4nse, wei\u00dfe Schw\u00e4ne mit und ohne Nachwuchs, ein Haubentaucher. Unser Steuermann lotst uns sicher durch die Str\u00f6mung. Ersch\u00f6pft aber hochzufrieden mit unserer Paddelkunst erreichen wir Mihla. Im Grauen Schloss r\u00fccken wir die Tische zusammen. Schwedeneisbecher und Apfeltorte mit dreimal Sahne und ja, gerne auch das regionale Bier, aber kalt, eiskalt bitte. Drei\u00dfig Grad im Schatten, uns geht&#8217;s gut. Gespr\u00e4che zu zweit, Pers\u00f6nliches, ganz ohne Sprechtechnik, so gut es eben geht, wir verstehen uns. Weinen und Lachen. Lachen geht auch. Muss! Und Tanzen. Tanzen hilft, tanzen ist gut. Aber soweit sind wir noch nicht. Erstmal m\u00fcssen wir zur\u00fcck. Wir wandern tapfer vor uns hinschwitzend bergauf bergab durch den Ur-Wald zur\u00fcck zur Herberge, elf lange Kilometer, ein paar davon durch die Wolfsschlucht. Die Stimmung ist ausbauf\u00e4hig, die erste Blase wird noch mit einem Pflaster versorgt, ein Kinderpflaster, ein Prinzesschen ist drauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt kommt mein highlight an diesem Wochenende: nach dem Abendessen hat ein umsichtiger workshop-Leiter das Holz an der Feuerstelle aufgeschichtet, den Teig f\u00fcr das Stockbrot organisiert, den Sternenhimmel wolkenfrei gehalten. Wir entz\u00fcnden das Feuer und schauen hinein &#8211; es geht gar nicht anders. Ein kleines smartphone erf\u00fcllt Musikw\u00fcnsche, geduldig einen nach dem anderen, die pr\u00e4parierte 1000-Watt-Bluetooth-Box sagt keinen Piep. Ich will nirgendwo anders sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch so ganz stimmt das nicht. Buntes Licht wird entdeckt, im Nachbarhaus, versteckt hinter einem H\u00fcgel: eine Konkurrenz-Party! Eine andere Gruppe feiert dort, etwas gr\u00f6\u00dfer, etwas lauter, etwas bunter als wir, und das Beste: sie l\u00e4dt uns ein! Ganz unkompliziert! Sofort nehmen wir an und tauchen f\u00fcr ein paar Momente ein in \u2026 alles das, was Musik f\u00fcr uns bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es am sch\u00f6nsten ist, soll man gehen und so verlassen wir das bunt-laut-fr\u00f6hliche Tanzgeschehen und begeben uns drei Schritte weiter direkt in&#8217;s Gegenteil: Sternegucken, auf dem R\u00fccken liegend im taufeuchten Gras. Ich wei\u00df nicht, ob es die Maus war oder der kleine Wagen, aber die Kassiopeia habe ich erkannt. Und den Polarstern. Und mindestens eine Sternschnuppe. JedeR von uns eine, den Wunsch dazu hat keineR verraten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sonntagsfr\u00fchst\u00fcck im sch\u00f6nsten Sonnenschein, dann Programmplanung, dritter Teil vom Outdoor-Wochenende. Gepaddelt sind wir schon, gewandert auch, jetzt fehlt noch Klettern. Ruckzuck sind die Zimmer ger\u00e4umt, das Auto gepackt, das Handtuch um den Kopf wegen dem schnell noch gewaschenen Haar. Schon setzt sich die Karawane in Bewegung. Ziel: Kammerforster Kletterpark, 20 Minuten entfernt. Die gesetzte Markierung bei Google Maps f\u00fchrt uns geradewegs auf einen Wanderpfad. Der Autokorso wendet, zerbr\u00f6selt, viele Wege f\u00fchren nach Rom. Mit gro\u00dfem Hallo finden wir uns wieder und beil\u00e4ufig zupfen mitgenommenes Gras&amp;Zweige&amp;Baumsch\u00f6\u00dflinge von den Autoschwellern \u2013 Urwald!<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Kletterparkpersonal routiniert eingekleidet werden wir mit knapper Ansage verschickt: \u201eIn zehn Minuten Einweisung bei den Eichh\u00f6rnchen!\u201c. Aye aye Sir! Niemand wagt zu lachen. Die Eichh\u00f6rnchen erweisen sich als niedlicher KleinKindkletterpfad mit Schaukel, hier ist der Luchs die schwarze Piste. Ich schaue mir diesen respektablen Kletterpfad mit einem Kaffee in der Hand von unten an und schlendere zum Rastplatz zur\u00fcck. Nicht lange, und wir sitzen alle wieder unten und genie\u00dfen den Moment. Ein z\u00fcnftiges Abschiedsessen im Hainich Haus bei Familie Rettelbusch, ein gro\u00dfes Dankesch\u00f6n an die OrganisatorInnen, ein allerletztes Foto und mein Auto schnurrt mich wieder nach Hause. Schade, ich w\u00e4re gern geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p>von Steffi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Outdoor-Wochenende in Th\u00fcringen im September 2023 Freitag Nachmittag, Rucksack gepackt, Blumen gegossen, ich sitze im Auto und tippe das Ziel ein: Lauterbach\u2026 Route wird berechnet\u2026 Waaas? Sechshundertsiebzig Kilometer ab Magdeburg?? Verschrieben, verlesen, falscher browser??? 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